burningmind

IT Services, Reisen, Food & More

Ich habe was gelernt. Wenn ich schon sonst nicht viel bewegt habe, dann das, und ich hoffe, ich finde die Kraft und die Überwindung, die notwendigen Lehren daraus zu ziehen.

Seit den dumpfen Parolen von Pegida & Co. habe ich mich in unendlichen, zermürbenden Diskussionen mit minderbemittelten Hassmenschen aufgerieben, habe argumentiert, zitiert und daran geglaubt, dass man mit einer fundierten Argumentation bei diesen Menschen ein Umdenken bewirken kann. Auf einige Wenige mag das Zutreffen, aber der Aufwand ist einfach zu hoch, die Quote zu gering und die Personen und Parolen zu unwichtig. Die Einen haben Angst um ihren Wohlstand, die anderen um ihre Arbeitsplätze (warum?), die nächsten um ihre Kultur, die sich offensichtlich aus Weihnachtsmärkten und Sanks-Martins-Festen zusammensetzt.

Im Gegenzug haben mir diese Menschen etwas gegeben, das ich gar nicht haben wollte: Wut. Wut auf Uninformiertheit, auf Argumentationsresistenz, auf Dummheit, die ich nicht für möglich gehalten habe. Es wird Zeit, mich von dieser Wut zu trennen und mich wieder auf die positiven Dinge im Leben zu konzentrieren. Ich werde versuchen, der Versuchung zu widerstehen, mich über Dummheit aufzuregen, die ich nicht ändern kann.

All die Monate hat sich keine der Weltuuntergangsprognosen, mit denen ich konfrontiert wurde, bewahrheitet. Weder trägt meine Partnerin eine Burka, noch wurden in meiner Nachbarschaft Frauen vergewaltigt. Die Flüchlinge aus dem nur knapp einhundert Meter entfernten Flüchtlingsheim grüßen mit einem Lächeln und einem fröhliche “Hello”, die älteren Herrschaften aus dem unmittelbar angrenzenden Altenstift formulieren als das größte Problem ein anderes Sauberkeits- und Ordnungsbewusstsein – “die laufen auf dem Dach rum” – und wenn ich einen Cent weniger auf dem Konto habe, dann aus völlig davon losgelösten Gründen.

Stattdessen wird mir von allen Seiten versucht Angst beizubringen. Die Presse stilisiert ein Armageddon nach dem anderen, die Pegödel erfinden weiter gruselige Straftaten und unsere Politiker nutzen den ganzen Quatsch um mal wieder die Überwachung harmloser Bürger voranzutreiben.
Freitag den 13. November diesen Jahres sterben in Paris 132 Menschen. Jeder Einzelne ist tragisch, unnötig, grausam. Allerdings sind die Reaktionen darauf völlig unangemessen. Plötzlich erstarrt jeder in Angst, befürchtet, falsche Entscheidungen zu treffen und das Drama gipfelt in der bislang wohl absurdesten Pressekonferenz des Jahrhunderts in der ein Innenminister einen “Vertrauensvorschuss” einfordert, weil er offensichtlich trotz seiner langen Amtszeit keinerlei Vertrauen genießt.

Andere Terrorakte bleiben dabei völlig unberücksichtigt. Die abgeschossene Maschine über der Ukraine hat 298 Menschen das Leben gekostet, der mutwillige Absturz der Germanwings Maschine 150. Dutzende anderer Vorfälle auf unserem Planeten zeigen lediglich eines: Psychisch Kranke und Fanatiker sind zu allem fähig, die Herkunft spielt keine Rolle und es gibt aus meiner Sicht keinen wirksamen Schutz dagegen. In den 70ern war es die RAF, dann kam 9/11 und jetzt Paris. Immer sind die Menschen auf die Straßen gegangen und haben in welcher Form auch immer demonstriert. Und die Politik hat, wie immer, die selben, nutzlosen Maßnahmen zur vermeintlichen Lösung der Probleme präsentiert. Und das ihre dazu getan, um mit der Förderung der Angst und der Verunsicherung ihre eigene Agenda voranzutreiben. Wir haben in der geholfen, gespendet, ehrenamtlich gearbeitet und uns gegenseitig Mut gemacht. Geändert hat es – in globalem Sinne – nichts.

Es sind nur wenige, die diese Welt mit Terror überziehen, zum Glück gibt es viel mehr Menschen, die gemeinsam in Frieden leben möchten. Allerdings gibt es viele, die skrupellos genug sind, tragische Ereignisse zu ihrem Vorteil nutzen zu wollen. Ich lasse mir von Politikern und Medien nicht einreden, wir würden das nicht schaffen, denn es wären zu viele Flüchtlinge, zu viele Nazis, zu viele Terroristen, zu viel Pegida, zu viel Hetze, zu viele Gutmenschen oder zu viele Daesh. Das einzige was wir im Übermaß haben, sind Fehlinformationen, die von den unterschiedlichsten Fraktionen gestreut werden um aus den wenigen Extremisten das Meiste für ihre Sache herauszuholen.

Ich habe keine Angst, ich empfinde keinen Hass, ich werde mein Leben nicht fremdsteuern lassen.

Nur an meiner Wut über Dummheit, Ignoranz und mangelnder Empathie – an der muss ich noch arbeiten.

pixelstats trackingpixel
Categories: Diverses, Nörgeleien

Leave a Reply