burningmind

IT Services, Reisen, Food & More

10.04. Frankfurt-Delhi
11.04. Trivandrum / Kovalam
15.04. Kollam
16.04. Alleppey
17.04. Backwaters
18.04. Ernakulam / Kochin
20.04. Calicut – Wyanad
21.04. Wyanad
22.04. Calicut
23.04. Kappad Beach
24.04. Delhi – Frankfurt

Dieses Jahr sollte es also Indien werden. Wir hatten viele Reiseberichte gelesen, Reiseführer gewälzt und uns über Norden vs. Süden die Köpfe heißdiskutiert. Susi wollte ursprünglich nach Rajasthan, da Freunde schon davon geschwärmt hatten, mich zog es eher in den Süden, zum scharfen Essen und dem Meer. Letztendlich haben wir uns auf Kerala einigen können. Da wir dieses Jahr aus beruflichen Gründen leider nur zwei Wochen Urlaub machen konnten, musste auch alles ziemlich kompakt und mit nicht allzu vielen Stationen geplant werden. Einen Direktflug in den Süden gab es leider nicht, also fliegen wir für je 570€ nach Delhi. Da wir uns am ersten Tag den Stress einer Hotelsuche nicht antun wollen, buchen wir auch gleich das Hotel (BnB Chrysalis) und den weiterführenden Flug per Internet. Die Buchung mit meiner Amex Card wurde zunächst abgelehnt – einen Tag später bekomme ich einen Anruf von American Express wegen vermeintlichen Betrugsversuchs. Indische Firmen sind offensichtlich keine vertrauenswürdigen Geschäftspartner, selbst wenn es sich um bekannte Airlines – in diesem Fall Kingfisher – handelt.

Letztendlich klappt aber dann doch alles. Unser Guesthouse-Besitzer (Mony) meldet sich sogar per Mail & SMS(!) bei mir und freut sich auf uns. Auf meine Rückfrage, ob er auch einen Shuttle Service anbietet oder wir besser ein Prepaid Taxi von Flughafen nehmen sollen, kommt die erstaunte Rückfrage, ob wir denn schon mal in Indien gewesen wären … ja, Delhi Airport wäre ziemlich chaotisch, aber für 20$ könnte er einen Shuttle Service über eine Travel Agency organisieren. Die 20$ ist uns eine stressfreie Ankunft wert, also buchen wir den Service gleich mit.


10.04.2010 Frankfurt -> Delhi

Bordprogramm

Das geht ja gut los. Nachdem uns Air India den Flug nach Delhi überraschend von 9:45 auf 18:00 umgebucht hat (wir vermuten, dass beide Flüge nicht ausgebucht waren und daher zusammengelegt wurden), haben wir den Abholservice noch umdisponiert und lassen uns von Susis Mutter zum Flughafen bringen. Die Maschine ist eine moderne Boeing 777-200 und ist fast leer. Das Personal superfreundlich und aufmerksam, es gibt sofort eine Ein-Liter-Wasserflasche für jeden Fluggast und das Bordprogramm ist einfach klasse: Harry Potter, CSI, Ice Age 3, viel Bollywood, auch in Hindi und Tamil mit englischen Untertiteln. Es gibt scharfe Nüsschen, Saft, Wein, Bier, Whiskey – und sofort die Frage, ob man noch einen zweiten Drink dazu möchte. Auch das Abendessen rockt: Fisch mit Gemüse und Huhn mit Basmati-Reis und Kartoffeln – India Style versteht sich. Zum Frühstück dann Sandwich und Schokoriegel. Am Flug gibt’s echt nix zu meckern.

Schlagzeile

In Delhi finden wir gleich unseren Fahrer und müssen auf dem Weg zum Auto gleich Dutzende von Kofferschleppern abwehren. Ein Junge schafft es, trotzdem ich meinen Koffer nicht loslasse, seine Hand um den Griff zu schließen und will prompt Trinkgeld, als wir am Wagen ankommen. Ich lache ihn an(aus), tue so, als ob ich kein Wort verstehe, schüttele ihm die Hand und steige ins Auto. So nicht, Freunde. Es folgt eine ca. 45 minütige Fahrt nach Saket-M5 und die letzten 500m kommen mir vor, als ob wir mitten in den Favelas ausgesetzt werden – überall Müllecken, verwahrloste Gestalten und verlassene Ecken – aber es ist ja immerhin erst ca. 6 Uhr morgens. Das Gebäude sieht von außen ganz OK aus, hat einen eigenen Wachmann und wir werden sofort super freundlich und herzlich vom Housekeeping-Ehepaar empfangen, ob wir denn schon Frühstück möchten. Wir verneinen dankend und wollen erst mal nur ins Bett. Kein Problem – „checkin later“. Wir stellen die Klimaanlage auf entspannte 22° – nicht übertreiben – und schlafen erst mal ein paar Stunden. Gegen 1:00 wachen wir auf, checken ein – und werden prompt gefragt, ob wir jetzt unser Frühstück wollen – das nenne ich Service … Instant Kaffee, Rührei, Käsetoast … alles sehr lecker.

Wir fragen wie der Fernseher funktioniert, da der nur ein Standbild zeigt. Während der Reparatur (aus- und wieder einschalten des SAT-Receivers) fragt uns der Koch irritiert, ob denn die Klimaanlage kaputt sei – 22° ist für indische Standards offensichtlich nicht akzeptabel. Dann ruft „Mony“ an, der Besitzer. Er ist total traurig, dass wir durch die Verspätung nur den halben Service genießen kann, erlässt uns die Shuttle-Kosten und macht uns klar, dass alles, was wir Essen und trinken auf’s Haus geht, und wir sollen das auch bloß in Anspruch nehmen. Ich spreche ihn auf unsere Sightseeing-Vorstellungen an und er organisiert und für knapp 18€ ein Auto mit Fahrer, der uns 8Std. lang 80km durch Delhi kutschiert. Klasse!

Rotes Fort

Wir starten mit dem berühmten „Roten Fort“ – es ist brüllend heiß (36°) und am Eingang geht es gleich gut los. Die Kasse für Inder ist mit ca. 150 Personen hoffnungslos überfüllt – es ist Sonntag und das scheint ein beliebtes Ausflugsziel zu sein. Ein kleiner Junge zeigt uns gegen ein kleines Bakschisch den Schalter für Touristen – heute ist jedoch sein Glückstag – ich hab nur einen Dollar klein. Am Eingang dann das Hochsicherheitsprogramm: Maschinengewehrstellungen, Metallscanner, Abtasten, Taschen öffnen … mit der Security nehmen die es echt ernst. Das rote Fort ist soweit ganz interessant, allerdings finden wir es etwas schade, dass die vielen Pools und Fontänen alle trockengelegt sind. Da sich in der Nachsaison nur wenige Europäer hier aufhalten, sind wir schnell eine kleine Sensation. Ganze Familien wollen sich mit uns fotografieren lassen, Schulkinder wollen Autogramme von uns … es ist wirklich irritierend, aber wir werden das so ähnlich noch öfter erleben. Später lernen wir noch, dass Touristen 250Rp (ca. 4€) und Inder gerade mal 10Rp zahlen, was den Beliebtheitsgrad als Ausflugsziel eindeutig erklärt.

Bettelkinder

Danach India Gate: ein monumentales Gebilde, der umliegende Park eher ein wenig verwahrlost und Dutzende von Kindern, die uns anbetteln, sich aber durch Gummibärchen ganz gut abspeisen lassen. Einige sehr hartnäckige, die lieber „Rupies“ oder noch weitere Gummibärchen wollen, lassen wir links liegen und werden die dann auch schnell los.

Da Susi es ein wenig mit dem Kreislauf hat, entscheiden wir uns als nächste Station für eine Shopping Mall in der Nähe unseres Appartements. Natürlich versucht unser Fahrer jetzt, uns in ein Touri-Abzocker-Shopping-Emporium zu lotsen. Das Erste können wir noch abbiegen, beim Zweiten geben wir auf, bleiben aber trotz gewiefter Verkaufsstrategien (Verkäuferwechsel, Getränke, usw.) hart und kaufen nichts.

Lotustempel

Mit einem kleinen Umweg über den beeindruckenden Lotustempel (auch hier Taschenkontrolle) erreichen wir dann doch noch unsere Mall. Wir essen sehr lecker asiatisch, verpeilen, dass wir den Reis separat hätten bestellen müssen – was wir verschmerzen können – und zahlen inclusive 2x Long Island Ice Tea und 2x Mojito immerhin stolze 35€. Dann schlendern wir noch ein bisschen durch die sehr moderne und westlich orientierte Mall mit allen Marken, die es auch bei uns gibt und Susi kauft sich in einer indischen Bekleidungskette noch zwei schöne Kleider für kleines Geld. Den Rest des Abends verbringen wir ordentlich müde und geschafft auf dem Zimmer und lassen es für heute gut sein.


11.04.2010 Trivandrum/Kovalam

Mumbai

Wir bezahlen nach einem opulenten Frühstück tatsächlich keinerlei Zusatzkosten, obwohl wir abends noch Bier und Rum konsumiert haben, lassen unauffällig 5$ Tip zurück und werden per Taxi für knapp 5€ zum Flughafen gebracht. Kingfisher hat vernünftige Sitzabstände, eine halbwegs moderne Maschine und Top-Catering: Grilled Chicken mit Curry-Kartoffeln und einer Art Brötchen mit Bolognesefüllung. Dazu Salat aus Kichererbsen und Kokosraspeln. Außerdem fliegen wir mit Promis: Die Delhi Daredevils, eine populäre Kricketmannschaft, sind mit an Bord.

Dann Landung in Mumbai – es stinkt nach Fisch wie Hölle, Susi ist schlecht und wir erleben den kürzesten Transfer unseres Lebens: Raus aus dem Flieger, rein in den Bus, 200m über’s Rollfeld und rein in den Anschlussflieger – hoffentlich macht unser Gepäck das auch so. Auf jeden Fall gibt es gleich nochmal Essen – diesmal vegetarisch. Incredible India!

Hell's Drivers

In Trivandrum – unser Gepäck hat es auch geschafft – nehmen wir ein Prepaid Taxi für 400Rp (6,50€) nach Kovalam und bekommen eine alte englische Limousine mit zwei uralten Indern, die vermutlich King George noch persönlich kannten und einen Stiefel zurecht fahren, dass einem als Europäer Angst und Bange werden kann. Wir trösten uns damit, dass die Knaben trotz Ihres Fahrstils ein biblisches Alter erreicht haben und nehmen es gelassen. Leider wissen die auch nicht so genau, wo das von uns bezeichnete Ressort zu finden ist und setzen uns „irgendwo“ ab, was dazu führt, dass wir mit den Koffern den Spießrutenlauf über die von Schleppern belagerte Promenade laufen dürfen und uns einen „Good Deal“ nach dem anderen anschauen sollen. Natürlich erzählt uns auch jeder, dass unser Wunschressort „far away“ hinter dem Hügel liegt – was sich später selbstverständlich als völliger Humbug herausstellt. Nachdem wir ein Restaurant wegen völlig versalzenem Lassi verlassen und uns wegen Hitze und Frust schon ordentlich angezickt haben, setzen wir auf bewährte Strategien: Susi setzt sich mit dem Gepäck ins Cafe und ich gehe eine Unterkunft suchen.“Wilson’s“ ist nicht aufzufinden und mir mittlerweile auch völlig schnuppe, als ich das „Swami Tourist Home“ entdecke. Eine hübsche, blaugestrichene Pension mit Balkon und Meerblick in Spuckweite von Strand, die offensichtlich Zimmer frei hat. Den Besitzer muss ich erst einmal suchen lassen, aber das Zimmer ist sauber, hat Kühlschrank und ist für knapp 12€ zu haben. Das nehmen wir doch!

Swami Tourist Home

Jetzt will der Kühlschrank noch gefüllt werden und ich versuche etwas zu trinken zu bekommen. Die sind witzig, die Inder. Viele Restaurants verkaufen Alkohol, allerdings mangels Lizenz nur „unter der Theke“, was dazu führt, dass die Flaschen schamhaft in Zeitungspapier eingewickelt und auf den Boden gestellt werden, oder als Trinkgefäß Kaffeetassen herhalten müssen. Der Kauf für den Eigenbedarf ist ähnlich kompliziert, da es Alkohol ausschließlich in sogen. „Beer & Wine Parlors“ gibt, die nicht besonders dicht gesät sind. Ich hangele mich also mangels Kenntnis dieser speziellen Situation durch ca. 10 Kioske, bis ich endlich jemanden finde, der gewillt ist, mit für knapp 4€ einen halben Liter Rum zu organisieren. Allerdings „störe“ ich gerade bei der Andacht. Da wird still für ein paar Sekunden vor dem Heiligenbild verweilt, dann Räucherstäbchen entzündet und damit die Kassenschublade ausgeräuchert – soll wohl Glück bringen. Dann ist der Herr fertig und das Geschäft geht weiter.

Seafood Bowl

Abends gehen wir richtig gut essen : „Seafood Bowl“ – sensationell! Zwei kleine Lobster, eine Krabbe, Muscheln Masala, Squids, Butterfish Masala, dazu Papads, Rajta und mehrere Bacardi Cola für knapp 30€ … der Hammer. Wir entschließen uns, hier ein paar Tage zu bleiben.


13.04.2010 Trivandrum/Kovalam

Das muss man gesehen haben. Morgens um sieben spannen die Fischer ein gigantisches Schleppnetz von ca. 1km Länge quer durch die gesamte Bucht. Dann holen sie es von Land aus mit starken Tauen und jeweils 15 Mann auf beiden Seiten unter rhythmischen Sprechgesängen ein. Ein harter Job und leider eine lausige Ausbeute – das sind gefühlt maximal 5-10kg Fisch und Oktopus, die da in gut 4h harter Arbeit eingefahren werden.

Fischer

Anschließend suchen wir uns einen schönen Platz am Strand – kein Problem, da der nun wirklich schwach besucht ist. Dementsprechend aktiv sind die wenigen Sonnenschirm- und Liegenvermieter, die uns die Doppelliege mit Schirm für 250Rp (4€) andrehen wollen. Nach freundlichem Lächeln und kurzer Verhandlung bekommen wir das Set für 100Rp – ein guter Deal.

Das „Sea View Restaurant“ kann man wirklich zum Mittagessen wärmstens empfehlen. Direkt am Strand gelegen, überzeugt es mit leckeren Papads, Rajta und schön scharfen Fischcurries, Dal oder Chicken Korma – nachdem wir den Betreiber überzeugt hatten, keine Rücksicht auf europäische Warmduscher zu nehmen und doch bitte so zu kochen, wie er es auch gerne essen würde. O-Ton: „But we are always afraid. People complain…“ – da konnten wir ihn beruhigen. Dazu Bier, wie schon gewohnt in Zeitungspapier eingewickelt und unter dem Tisch gelagert.

Fisch im Bananenblatt

Abends dann der Schock: Trotz 30er Creme und Sonnenschirm haben wir uns einen ordentlichen Sonnenbrand zugezogen. Kids, don’t do that at home … das nächste Mal doch besser mit 50er starten. Später essen wir Fisch im Bananenblatt im Restaurant direkt neben uns und nehmen noch einen leckeren Cocktail im „Volga“, der sogar recht ordentlich ist. Es ist barbarisch warm und wir müssen nachts nochmal kalt duschen, obwohl wir alle Fenster offen haben und ein leichter Seewind geht.


14.04.2010 Trivandrum/Kovalam

Ich organisiere uns einen Kaffee und wir genießen den Morgen auf dem Balkon. Susi füttert die Rabenvögel, die es überall gibt, mit Ananasresten und schmeißt dabei ihren Kaffee um – „Na toll, jetzt hab ich siebzehn Raben und keinen Kaffee“ – ich kommentiere das aus strategischen Gründen besser nicht. Anschließend frühstücken wir „richtig“ indisch mit Masala Dosa, Kokossuppe und Lassi, und entscheiden uns, den heutigen Tag besser ruhig unter einem vernünftigen Sonnenschirm zu verbringen und den Pool eines nahegelegenen Hotels zu nutzen. Die lassen sich das recht ordentlich mit je 5€ pro Nase bezahlen, aber immerhin gibt’s dafür auch Matratzen und Handtücher und das Wasser ist – verglichen mit der Meeresbadewanne – erfreulich frisch.


15.04.2010 Kollam

Tamarind Hotel

Heute wollen wir los nach Kollam – wir gehen morgens nochmal an den Strand und organisieren uns am Taxiparkplatz neben dem „Sea Rock“ einen Fahrer, der uns für 1500Rp (25€) die 80km fährt. Der kann sein Glück scheinbar kaum fassen und erkundigt sich mehrfach, ob wir um 14:00 auch wirklich da sind. Die Fahrt ist angenehm und ereignislos, allerdings versucht der Fahrer uns natürlich eine Unterkunft zu „empfehlen“, was wir jedoch freundlich, aber bestimmt ablehnen.

Am Fährhafen werden wir sofort von Schleppern umringt und suchen erst einmal die winzige Touristeninformation auf. Dort versucht man uns das Hotel auszureden, das wir uns ausgesucht hatten, das hätte einen neuen Besitzer und wäre schlecht und teuer. Leider traue ich dem Braten nicht – ein Fehler, wie sich noch herausstellen wird.
Zunächst aber wollen wir Tickets für die morgige Fähre nach Alleppey kaufen. Ein Typ mit Uniform will das Geld kassieren und uns die Tickets „um die Ecke“ besorgen. Nee, nicht mit uns – „no Ticket, no Money“. Er nimmt es mit Humor und nimmt mich mit ins Office, das tatsächlich gerade um die Ecke liegt. Ich kaufe 2 Tickets für je 300RP (5€) und wir nehmen die Taxifähre für 6Rp zum Hotel, das direkt am See liegt und von weitem wirklich schön aussieht. Dort ist allerdings der Hund begraben. Für stolze 1400Rp (24€) bekommen wir ein karges Zimmer mit Klima und TV in dem lieblos geführten Gebäude und man ist wohl erstaunt, dass wir das zu teuer finden. Trotzdem kein Schnapp zu machen – dass hier Nebensaison ist, scheint denen völlig egal zu sein. Immerhin bekommen wir auf Nachfrage ein zweites Handtuch … und lernen, dass sich kaum eine Rikscha nach „hier draußen“ verirrt.

Begegnungen

Abends schlendern wir durch den Ort und essen in einem urtümlichen indischen „Hotel“ (so heißt dort wirklich auch die winzigste Hütte, die etwas zu essen anbietet) in dem wir die einzigen Europäer sind und erst einmal lernen müssen, wie das so funktioniert. Es gibt immer heißes (Trink-)Wasser, oft mit Gewürzen, auf’s Haus, man bestellt sich etwas und bekommt so lange aus irgendwelchen „Henkelmännern“ nachgeschöpft bis man satt ist. Wir beschließen, dass das eine gute Gelegenheit ist, die indische Essweise (nur mit der rechten Hand, ohne Besteck) auszuprobieren und werden dafür nicht nur mit neugierigen sondern jetzt auch amüsiert-respektvollen Blicken bedacht. In der Regel kostet ein solches – sehr leckeres – Essen für zwei Personen dann ca. einen Euro.

Auf dem Heimweg haben wir noch eine nette Begegnung mit einem halben Dutzend Schulkindern, die uns alle die Hand schütteln wollen, sich freuen wie Bolle, als wir ein Foto machen und gehen relativ früh ins Bett.


16.04.2010 Aleppey

Hotel Jayakrishna

Heute geht es in 8h Fährfahrt nach Aleppey. Nach der guten Erfahrung von gestern frühstücken wir in einem winzigen Restaurant am Fährhafen und werden nicht enttäuscht. Auch der Kaffee ist recht gut, allerdings ist es etwas gewöhnungsbedürftig, dass das Blechgeschirr in einer Wasserschüssel gewaschen wird, in der man gerade mal drei Zitronen ausgedrückt hat. Jetzt bewährt es sich, dass wir immer eine kleine Flasche Hochprozentiges zum innerlichen Desinfizieren dabei haben. Im Übrigen hatten wir auch während des ganzen Urlaubs nie mit ernsthaften Magenbeschwerden zu kämpfen. Die Fähre ist recht gemütlich und hat ein offenes überdachtes Oberdeck, dennoch empfinden wir die Fahrt trotz unterhaltsamer Landschaft und tollen Fotomotiven als ein wenig anstrengend.

Eco Room

Als wir am Abend in Alleppey ankommen, wird es schon dunkel. Wir schütteln die Schlepper ab, winken der ersten Rikscha – und werden zu unserem Erstaunen kopfschüttelnd auf das erste Fahrzeug des zehn Meter entfernten Rikschastandes aufmerksam gemacht. Hier herrscht Zucht und Ordnung! Johnson’s The Nest ist ein Begriff und so sind wir 10min später und 30Rp ärmer am Ziel. Wir bekommen den schön dekorierten „Eco-Room“ mit Fan und angenehmem Badezimmer für 500Rp (9€). Johnson ist ein netter Kerl, ein echter „Typ“, ein Tree-Hugger durch und durch mit liebevoll gepflegtem Garten, mehreren Hunden, eigenem Hausboot und vielen Tips. Seine Backwater-Touren sind nicht gerade günstig (100€ für 22h), aber da wir weder Zeit noch Lust haben, wegen ein paar Euro durch Aleppy zu traben und große Vergleiche anzustellen, ist die Frage eigentlich nur noch, ob wir gleich am nächsten Tag fahren, oder einen Tag später. Nach einem kurzen Abendessen im von ihm empfohlenen Restaurant begutachten wir noch kurz den Strand und entscheiden uns spontan, die Backwater-Tour gleich am nächsten Tag zu machen – das wirkt alles recht trostlos und verlassen.


17.04.2010 Backwaters

Jain Tempel

Leider hat uns irgendein Köter in der Nachbarschaft die Nacht zum Tag gemacht und im 10min Rhythmus die Straße zusammengebellt. Als kleines Schmankerl hat uns dann der nahegelegene Muezzin so gegen halb sechs lautstark an seiner Morgenandacht teilhaben lassen.

Da es heute erst um 12:00 los geht, reicht die Zeit noch für Frühstück, ein bisschen Sightseeing und ein paar Besorgungen. Wir schauen uns einen kleinen Jain-Tempel an, in dem es erstaunlicherweise sogar einen Guide gibt, der uns in grauenhaftem Englisch etwas über den Tempel zu erzählen versucht. Ich kaufe noch schnell ein paar Tuben „Odomos“ gegen Moskitos und eine Salbe für die Zeit nach dem Stich. Dann werden wir auch schon von einer Rikscha abgeholt, Johnson bringt uns selbst zum Boot, lässt uns noch schnell am Beer & Wine Parlor auftanken – auf seinem Boot gibt’s nur Antialkoholisches – und nimmt uns noch mit zum Supermarkt, wo wir uns unsere Früchte selbst aussuchen dürfen.

Kettu Vallam

Das Boot ist wunderbar geräumig, hat eine tolle Kabine und eine diwan-ähnliche Matratze auf dem Oberdeck, wo man es sich so richtig gemütlich machen kann. Wir sind die einzigen Gäste an Bord, die sich von der dreiköpfigen Crew verwöhnen lassen dürfen und schippern erst mal entspannt eine halbe Stunde durch die Backwaters, bis es Mittagessen gibt. Volltreffer: Gebratener Fisch, Fischcurry, Papads, Okragemüse, Paprikachutney, Reis. Sensationell lecker. Dann geht es weitere vier Stunden durch die Backwaters, nur kurz unterbrochen durch Tee und Onion Pakora. So gegen fünf Uhr legen wir an, können ein bisschen schwimmen – das Wasser ist erstaunlich sauber – und uns an Land ein bisschen die Beine vertreten. Dann gibt es schon wieder ein üppiges Fünf-Gänge Menü und da es recht früh dunkel wird, sind wir auch ziemlich bald im Bett, trauen uns aber dank der vielen Moskitos nicht so recht, die Fenster zu öffnen. Dementsprechend heiß fällt dann auch unsere Nacht aus …


18.04.2010 Ernakulam

Don't do this at home

Am frühen Morgen belagere ich unsere Vordeck-Matratze, da ich es in der Kabine einfach nicht mehr aushalte. Dabei beobachte ich den „Dorfelektriker“, der, bis zu den Knien im Reisfeld stehend, mit einer langen Stange zunächst den Transformator vom Überlandnetz trennt, danach wohl ein paar Reparaturen durchführt und dann seelenruhig den Strom wieder zuschaltet. Incredible India!

Gegen 11:00 sind wir wieder zurück, Johnson empfiehlt uns noch einen Freund in Cochin und meint, wir sollen statt in die Standard-Parks lieber nach Wyanad, hoch in die Ghats, das sei nicht so touristisch. Er organisiert uns eine Rikscha zum Bahnhof und schon sind wir wieder unterwegs.

Am Bahnhof wollen wir nur schnell was essen und landen mal wieder in einer Location, wo wir die einzigen Europäer sind. Wir bestellen das Gericht vom Nebentisch, das so lecker aussieht, haben aber die Rechnung ohne die Belegschaft gemacht. Man schaut neugierig aus der Küche, mehrere Inder begrüßen uns und jeder bringt eine kleine Schüssel aus der Küche, mit Etwas, das wir „unbedingt probieren müssen“. Am Schluss können wir nur noch völlig gesättigt abwinken und bekommen eine Rechnung über 35Rp (60ct). Ein Inder mit Uniform vom Nebentisch, mit dem wir uns vorher schon unterhalten hatten (wohl ein Angestellter vom Bahnhof), fragt uns grinsend, was wir denn bezahlt haben. Auf meine Rückfrage, was denn ein Inder bezahlt hätte, bekommen wir als Antwort „zwanzig“. Naja, wenn das der Touristen-Tarif ist, dann sind wir zufrieden …

Am Bahnschalter werde ich gefragt, ob wir A/C or Non-A/C wollen. Auf meine Rückfrage ob sich die Fenster bei Non-A/C öffnen lassen, ernte ich einen völlig irritierten Blick, der sich schnell erklärt, als wir feststellen, dass es in indischen Zügen schlichtweg gar keine geschlossenen Fenster gibt …

Zugfahrt

Auf unsere Frage nach Plätzen heißt es, wir sollen einfach irgendwo einsteigen – und das haben wir dann auch getan. Wir landen in einem völlig überfüllten „Sleeper“, der im Wesentlichen aus türlosen Abteilen mit je sechs Pritschen besteht. Unten zwei für je drei Personen, in der Mitte zwei, die tagsüber hochgeklappt sind und oben zwei, wo viele ihr Gepäck verstauen. Allerdings sitzt hier wirklich überall jemand, und auch das Gepäck wird offensichtlich völlig wahllos dort verstaut, wo Platz ist. Ich verstaue irgendwo unsere Koffer und wir erkämpfen uns einen Platz auf einer der oberen Pritschen, ich im Schneidersitz mit einer Rest-Kopffreiheit von ca. einem Zentimeter, Susi liegend, mit dem Kopf auf meinem Schoß. Uns gegenüber zwei grinsende Jugendliche, von uns getrennt durch drei der mächtigen Ventilatoren, die jedes Abteil zwangsbelüften. Zum Glück dauert die Fahrt nur eine Stunde.

Plötzlich motzt ein älterer Inder, der bereits sitzt, über unser verstautes Gepäck. Etwas irritiert übe ich den Abstieg und frage, was er will. Irgendwie stören ihn unsere Koffer, er habe eine Reservierung und was denn unsere Sitznummer wäre. Meine sarkastische Rückfrage, ob er mal in Deutschland gearbeitet habe, hat er wohl nicht verstanden, allerdings mischen sich jetzt die Jugendlichen ein und erklären ihm, das wir sowieso in Ernakulam aussteigen. Das scheint ihm zu genügen und wir dürfen unser Gepäck da lassen, wo es ist.

Arbeiter

Trotz des Tips von Johnson wollen wir uns erst einmal das „Maple Guest House“ ansehen, das wir erst nach einiger Mühe finden (ich lotse den Fahrer einmal um den Block), das ist aber nicht so der Knaller. Also setzen wir uns ins vegetarische Restaurant, trinken einen frischgepressten Fruchtsaft und rufen doch Johnson’s Kumpel Phillip von Red’s Residence an, was sich nicht so einfach gestaltet, da wir uns mit indischem Roaming und den passenden Nummern nicht so auskennen. Der sagt uns, wir sollen die Fähre nach Cochin nehmen, er holt uns dann drüben ab.

An der Fähre dann der Schock – die Schlange ist ca. 20m lang und es geht nicht wirklich flott voran. Ein junger Inder weist uns auf die viel kürzere Frauenschlange hin und bittet uns, ihm zwei Tickets mitzubringen – für je 2,5Rp (4ct). Am Schalter steht zwar, dass es nur zwei Tickets pro Person gibt, aber wir stellen uns blöd und erzählen was von Freunden, die später kommen und bekommen unsere Tickets.

Chinesische Netze

Am Jetty holt Phillip uns ab und bringt uns zu Red’s Residence. Ein schönes kleines Haus mit sauberen, angenehmen Zimmern, TV, Klima und gemeinsamem Kühlschrank für 800Rp (14€). Und immer kühles Bier im Haus …

Da es erst Nachmittag ist, spazieren wir auf der Suche nach etwas zu Essen Richtung Stadtstrand – und erleben eine Überraschung. Es ist Sonntag in Kerala und der Strand wimmelt nur so vor Familien. Das hat fast schon volksfestähnliche Ausmaße, es gibt frischgeröstete Erdnüsse, Eis, Getränke und alle genießen den Sonnenuntergang. Interessanterweise scheint das Schwimmen den Indern nicht so zu liegen, oder ist wegen der strengen Kleiderordnung zu umständlich. Frauen und Mädchen gehen grundsätzlich in vollem Sari und bestenfalls bis zum Knie ins Wasser und spritzen sich dann spielerisch ein bisschen nass, echtes Schwimmen, meist mit T-Shirt, ist wohl eher den Männern vorbehalten und scheint selbst da eher selten zu sein.

Reislaster

Wir beschließen den Abend mit einer Besichtigung des Fischmarktes und der chinesischen Fischernetze und – da wir immer noch kein vernünftiges Abendessen hatten – auf Empfehlung eines Gewürzhändlers bei einem Straßenstand mit Schawarma (eine Art Döner). Ein Spitzentip.

Der Rückweg beschert uns die krasseste Rikschafahrt ever. Der Kollege schaltet nach 100m das Licht aus und kurvt mit uns in halsbrecherischer Manier durch stockdunkle Gassen, Schlaglöcher und fährt mehr als einmal kleinere Menschengruppen um ein Haar über den Haufen – irgendwie kommen wir trotzdem heil an, nehmen auf den Schreck erst mal ein Bier auf dem Balkon und beobachten die Geckos.


19.04.2010 Cochin

Fischmarkt

Eigentlich wollen wir heute direkt weiter Richtung Calicut, aber Phillip überredet uns, noch einen Tag zu bleiben und arrangiert für uns alles, um am nächsten Tag reibungslos nach Wyanad zu gelangen. Also gehen wir ein bisschen shoppen im Judenviertel, besichtigen den holländischen Palast und essen sehr lecker in Cochins berühmtesten Biryani-Restaurant “Kayees”. Abends gönnen wir uns nochmal den Fischmarkt in Ruhe – wir beobachten wie die chinesischen Netze von 8-10 muskulösen, jungen Männern immer wieder ins Wasser getaucht und mittels Muskelkraft und steinernen Gegengewichten wieder herausgeholt werden.

Abendessen

Abendessen auf dem Fischmarkt ist allerdings nicht ganz so einfach … man kauft seinen Fisch frisch beim vertrauenswürdigsten Händler und bringt ihn dann zum Restaurant, wo er zubereitet wird (you buy – I cook). Die Schwierigkeit liegt darin, die Restaurantschlepper loszuwerden, um sich den Fisch in Ruhe anschauen zu können. Wir kaufen einen mittelgroßen Fisch und ein paar King Prawns und weil wir uns ja für clever halten, in der nächstgelegenen Bar zwei Bier „to go“. Leider dürfen wir die im gewählten Restaurant aber nicht trinken, weil direkt gegenüber eine Polizeiwache ist … dumm gelaufen. Dafür bekommen wir lecker gegrillte Prawns und ein scharfes Fischcurry, das leider ein wenig darunter leidet, dass man den Fisch inklusive Kopf und Schwanz einfach in kleinere Brocken gehackt hat. Das nächste Mal schau ich dem Koch über die Schulter und bring ihm bei, wie man Fisch filetiert …


20.04.2010 Calicut/Wyanad

Cochin Bahnhof

Mitten in der Nacht – um 5:00 – holt uns das Taxi nach Ernakulam ab. Das mit dem Zugticket klappt diesmal zügig und da es der Startbahnhof ist, haben wir diesmal auch kein Problem mit dem Platz. Das Catering ist Klasse – alle paar Minuten läuft jemand durch den Zug „Coffee, Coffee, Coffee“, „Tea, Tea, Tea“, „Biryani, Biryani, Biryani“ … und für die 300km in fünf Stunden zahlen wir gerade mal 104Rp (1,70€). In Calicut ist erst mal kein Fahrer zu sehen, bis man uns freundlich darauf hinweist, dass wir auf der Rückseite des Bahnhofs warten …

100m über eine Fußgängerbrücke und ein kurzes Telefonat später ist auch das geklärt und wir sind auf dem Weg nach Wyanad. Unsere Frage nach einem kurzen Stop bei einem Beer & Wine Parlor wird zu unseren Erstaunen vom Fahrer verneint – sowas gibt’s hier wohl nicht … wir schieben es auf die arabischen/muslimischen Einflüsse, von denen wir gelesen haben. Später erfahren wir von unseren Gastgebern, dass das völliger Blödsinn ist, und unser Fahrer wohl schlicht kein Wort verstanden hat.

Reisfelder

Die Fahrt in die Ghats ist eigentlich recht spannend – es geht in steilen Haarnadelkurven die Berge hinauf – aber da wir recht K.O. sind, schlafen wir im Auto auch immer wieder ein. Am Spätnachmittag kommen wir im „Varnam“ an, ein Haus im alten keralischen Stil, und werden von Sabin, der Gastgeberin, sofort mit Essen empfangen: Reis, veg. Curry, ein Salat aus Kokos und irgendeinem Gemüse und Tomaten/Zwiebel Salat. Dazu ein rosafarbenes, heisses Wasser mit Gewürzen, das nach Mottenkugeln schmeckt und laut Sabin „Medicine“ ist. Leider entpuppt sich das “Irgendwas” als Jackfruit, und Susi, die hochgradig allergisch gegen alle möglichen Südfrüchte ist, verbraucht leicht panisch ihre halbe Notfallmedikation – schließlich sind wir hier vier Autostunden vom nächsten Krankenhaus entfernt. Zum Glück verläuft das Ganze jedoch recht glimpflich und so machen wir einen wunderschönen Spaziergang durch die Reisfelder, schauen den einheimischen Farmern bei der Arbeit zu und werden von einem Rudel von acht(!) Hunden verfolgt, was uns kurzfristig leicht beunruhigt.

Overload

Abends klären wir mit unseren Gastgebern die Planung der nächsten Tage: Wir sollen unbedingt nach Kuruva Island, das knappe vier km zu Fuß entfernt ist, wollen ins Wyanad Wildlife Sanctuary und hatten irgendwo etwas von Wasserfällen gelesen. Sabin verspricht uns, sich um alles zu kümmern.

Zum Abendessen gibt’s Chicken Curry und Puri, wir essen mit der ganzen Familie, unterhalten uns angeregt über „Tribal Doctors“, der Mann ist bei der Kerala Police und die ca. vierzehnjährige Tochter taut auch irgendwann auf und erzählt über die Schule und dass sie Pilotin werden will. Das Missverständnis mit unserem Fahrer und dem Beer & Wine Parlor wird an diesem Abend auch aufgeklärt und obwohl der Gastgeber selbst nicht trinkt, hat doch der Großvater irgendwo eine Flasche Brandy gebunkert. Ein gelungener Abend.

Wir versuchen noch, den Rückflug von Bangalore nach Delhi per Internet zu buchen, allerdings blockt Amex schon wieder indische Transaktionen. Da wir ohnehin lieber nochmal an den Strand wollen, entscheiden wir uns kurzfristig, statt über Mysore nach Bangalore doch lieber zurück nach Calicut zu fahren und dort sicherheitshalber noch einen Puffertag einzulegen, falls das mit dem Flug nicht reibungslos klappt. Gegen 21:00 fallen wir ins Bett und schlafen herrlich entspannt, trotz heftigen Gewitters – der Pre-Monsun ist spät dieses Jahr, haben wir gelernt.


21.04.2010 Wyanad

Kuruva Fans

Um acht Uhr stehen wir auf, frühstücken Ananas, Chapatti mit Erbsencurry sowie Kaffee und machen uns zu Fuß auf eine interessante Entdeckertour durch den Wald Richtung Kuruva Island. Dort angekommen durchqueren bereits Dutzende von Einheimischen den seichten Flusslauf und wir werden mit großem Hallo empfangen. Wir passen uns den Gepflogenheiten an und marschieren in voller Kleidung durch den Fluss, was sich jedoch bald als nicht ganz einfach herausstellt, da der Grund aus ziemlich zerklüftetem, scharfkantigem Gestein besteht. Da es ein paar Meter flussabwärts eine Art kleinen See gibt, auf dem Boote zur anderen Seite übersetzen (…), beschließen wir, dass ich einfach unseren Rucksack auf den Kopf nehme und wir auf die andere Seite schwimmen. Plötzlich ertönt vom Startufer eine Trillerpfeife und irgendein Guide in Uniform winkt uns, wir sollen das Wasser zügig verlassen – naja, wir sind eh schon am Ufer, also nehmen wir es gelassen. Dann wird uns klar, wo wir uns befinden. Die Insel ist ein Teil des Wildlife Parks und wir zahlen am Kassenhäuschen 65Rp (1€) – die Kamera kostet extra – um mit klatschnassen Klamotten den Urwald zu durchwandern und ein paar Affen sowie ein großes Papierwespennest zu sehen. Für den Rückweg nehmen wir allerdings doch lieber ein Boot.

Eigentlich wollten wir mit der Rikscha zurück, aber irgendwie hat sich gerade keine hierher verirrt. Wir trinken frischgepressten Zuckerrohrsaft und versuchen einen Transport zu organisieren, da wir in der Mittagshitze keine 4km mehr laufen wollen. Plötzlich erscheint ein junger Mann mit einem Motorrad, und so gurken wir zu dritt für 50Rp im Motocross die holprigen Straßen entlang – ohne Helm und vernünftige Kleidung, versteht sich.

Chamaeleon

Da ich sowieso nur vom Essen erzähle, überspringe ich den Mittagstisch – Um 14:00 holt uns Subash, unser Fahrer, mit dem Jeep ab. Der Mann soll nach vorne, die Frau nach hinten – hier ist die Welt noch in Ordnung. Wir fahren zum Wildlife Sanctuary und haben eine schöne, wenn auch etwas unspektakuläre Jeep-Safari mit Bullriding-Charme – die Pisten sind ganz schön holprig. Leider lassen sich keine Elefanten blicken, aber wir sehen Fleckwild, Affen, Languren, riesige Bienenvölker, Wildschweine und vieles mehr. Der Eintritt zum Park kostet mit Guide, Kamera-Fee und Eintritt knappe 10€. Auf der Rückfahrt ist Subash total geknickt. Es sei ihm in fünf Jahren noch nie passiert, dass man keine Elefanten gesehen hätte, und so kurvt er noch eine Stunde durch ein Gebiet, wo es noch wilde Elefanten geben soll und gibt dann irgendwann nach gutem Zureden frustriert auf. Er will für die ganze Tour gerade mal 800Rp, wir geben ihm 1000, weil er sich solche Mühe gegeben hat, darauf hin fragt er, ob wir morgen um 6:00 nochmal mit ihm los wollen. Wir lehnen dankend ab – so wild sind wir auf die Elefanten nun auch nicht.

Sabin hat mittlerweile Mini-Muffins aus Reis, Kokos, Zuckerrohr und Kardamom gebacken – und Subash pflückt Grapefruit und frischen Pfeffer aus dem Garten – hier wird man nach Strich und Faden verwöhnt. Die Grapefruit ist viel dickschaliger als bei uns und der der Pfeffer einfach nur herrlich aromatisch – eine tolle Kombination.


22.04.2010 Wyanad

Wasserfall

Am Morgen gibt’s ein tolles Eier-Masala mit einer Art Reisnudeln, dann rührende Abschiedsszenen mit der ganzen Familie – natürlich mit den obligaten Fotos und dann fährt uns unser Fahrer zunächst zum 24 km entfernten Wasserfall, der nach 1km Fußmarsch romantisch im Urwald liegt. Dort können wir im erstaunlich frischen Wasser baden und ein bisschen in den Felsen rumkraxeln. Dann fährt er uns in gut 4h nach Calicut, wo wir im „Sastapuri“ absteigen. Das Hotel ist ganz OK, allerdings ist das Personal nicht wirklich serviceorientiert. Nach der langen Fahrt hätten wir gerne zwei kühle Bier für’s Zimmer. Die Bar im Erdgeschoss schickt uns hoch zum Dachgarten, wo man uns lakonisch erklärt, dass man erst um 17:00 öffnet (wir haben 16:30). Um 17:00 der zweite Versuch. Der Oberkellner, der in Uniform dort oben das Regiment führt ist aber irgendwie unkooperativ „No sale – you can drink here“ . Ich hoffe, mein Gesichtsausdruck hat ihn wissen lassen, für was für eine Wurst ich ihn halte und ich beschließe, uns lieber was auf der Straße zu besorgen.

Abends gehen wir noch über den Markt und ein ein bisschen shoppen und stellen fest, dass das Essen im Dachgarten genauso lausig wie der Oberkellner ist …


23.04.2010 Calicut

Palayam Market

Wir buchen unseren Inlandsflug für happige 120€/Person und bekommen dafür einen Direktflug mit 2 Zwischenstopps … nicht gerade unsere Präferenz – das nächste Mal buchen wir vielleicht eher im Voraus in Zugreichweite. Wie auch immer, heute wollen wir noch ein letztes Mal am Strand relaxen und fahren mit dem Bus die 15km zum Kappad Beach. Die Busfahrer sind super freundlich, geben uns die besten Plätze ganz vorne im Bus und wollen (natürlich) wieder ein paar Fotos mit uns. Auf dem Busbahnhof steigt noch ein etwas ungepflegter Inder ein, schüttelt uns, wie so viele, die Hand und will aus unserer Cola-Flasche trinken. Als ich das ablehne, fängt das kleine Kerlchen an, uns aus der zweiten Bank auf indisch zu beschimpfen (zumindest hört sich das so an). Während ich noch überlege, ob ich einfach mal aufstehen soll (der ist mindestens 30cm kleiner als ich) machen die Busfahrer bereits kurzen Prozess, zerren ihn aus dem Bus und liefern ihn bei dem Polizeiposten ab, der praktischerweise ca. 5m entfernt ist. Wie blöd kann man sein?

Kappad Beach

Wir werden vom Bus am Kappad Beach Resort abgeladen, einer kleinen, sehr gepflegten Anlage mit netter Bar und superleckeren Masala-Kichererbsen statt Erdnüsschen. Der Strand ist ein Traum, wir sind, abgesehen von einer Handvoll Einheimischer, mutterseelenallein. In der Nähe gibt es einen kleinen Verkaufsstand, in dem ein alter Mann leckere Sandwiches aus Eiern und Toast auf einem absolut vorsintflutlichen Karbidkocher zubereitet – absolut köstlich. Abends wird es, wie so oft, voller am Strand und nach ein paar netten Begegnungen mit Einheimischen stellen wir fest, dass wir den Bus verpasst haben. Wir bestellen uns ein Taxi im Resort und werden auf der Heimfahrt prompt von einem Pre-Monsun-Gewitter überrascht, das uns erahnen lässt, wie es hier ein paar Wochen später abgehen wird.


24.04.2010 Delhi

Indian Coffee House

Leider ist heute schon Abreisetag … wir frühstücken endlich mal in einem „Indian Coffee House“ und lassen uns dann per Taxi zum Flughafen bringen. Wir absolvieren unseren Inlandflug und werden in Delhi per Bus zum International Terminal transferiert. Unsere Hoffnung, dort noch unsere letzten 600Rp (10€) an den Mann zu bringen, werden jedoch böse enttäuscht. In der Abflughalle ist der Hund begraben, wir kaufen noch ein paar völlig überteuerte und sinnlose Souvenirs, aber was wollen wir auch mit Rupien in Deutschland. Der Rückflug ist angenehm und wir kommen morgens um 6 in Frankfurt an.


Fazit:

Indien ist definitiv eine Reise wert. Wir haben viele fröhliche und glückliche Menschen kennengelernt, tolle Landschaften und Tiere gesehen und das Land mit jeder Faser genossen. Wir haben die Palette der Reisemöglichkeiten so gut wie möglich ausgeschöpft und günstig und sauber gewohnt. Wir haben noch nie so oft vegetarisch gegessen, wie in diesem Urlaub – allerdings auch noch nie so lecker vegetarisch, wie in Kerala. Das Kulturprogramm ist sicher aufgrund der kurzen Reisezeit von nur zwei Wochen etwas zu kurz gekommen, aber das war bestimmt nicht das letzte Mal, dass wir dieses abwechslungsreiche und schöne Land besucht haben. Incredible India!

Obstladen in Calicut

Alleppey

Arbeiter in den Backwaters

Muscheltaucher in Kovalam

Kovalam, Lighthouse Beach

Sunset @ Kappad Beach

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Categories: Reisen

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